Vom Sterben: Eine Reflexion in Wort und Bild

Ihr fester Griff, ihre festen Nägel. Ihre leisen, unwillkürlichen Bewegungen.

Sie lächelte nicht, vielleicht lächelte sie. Der Tag hatte eben begonnen.

Sie verschwand, langsam und unbemerkt.

– Gerhard Moser, Vom Sterben

J. M. Baerwald

Rezension

Wem der Mut fehlt, sein eigenes, szenisches Ich zu reflektieren, dem wird der Autor Mut zusprechen; wer der Gnade der Empfindsamkeit teilhaftig ist, den wird er das Gespräch mit dem DU, seinem Alter ego, fortführen lassen, und wen gar die Liebe zur Weisheit als gelebte Spiritualität aus der Welt fortträgt und ihn in das große, beglückende Erlebnis des Liebenden eintauchen  läßt – der hat in Mosers Vom Sterben sein ganz persönliches Vademekum gefunden.

Loslassenkönnen symobilisiert Sterbenlassenkönnen und die Erkenntnis, daß nicht immer den physischen Tod meint, der vom Sterben spricht, sondern der damit einen Akt der Besinnung meint, der Falschgedachtes begräbt, einen Akt der Verzicht übenden Liebe nämlich und die diesen Verzicht bedingende innere Größe, also Vertrautes, Atmendes, Liebendes, Duftendes, aufzugeben, um sich nicht in unendliche Trauer zu verlieren. Diese gespenstige, textmelodiöse Nähe zu Heykings 1903 erschienenem Roman Briefe, die ihn (hier: sie) nicht erreichten, der die große Tradition des Briefromans fortsetzte, tritt dem Leser in vielen daraus entliehenen Sentenzen in Form des Zwiegesprächs entgegen, die, und das ist das Wundervolle an Mosers Reflexion, von unendlich einfühlsamen, betörend kasteienden Bildern des Graphikers Scott Batty – also nicht durch aufdringliche Eigenständigkeit erdrückende Leuchtzeichen – umrahmt werden. Sie ergänzen im eigentlichen Sinne nicht nur die fragile, dann wieder szenisch trommelnde Ode an die Vergänglichkeit der Liebe und die Trauer und die Sehnsucht nach der entschwundenen Geliebten, nein mehr, sie stellt eine Komplementarität her, deren Eigentümlichkeit fasziniert.

Der Leser mag, wird oder kann eintauchen in diesen Geist des Ortes, der nur in empfindsamen Herzen wohnt und der sich als Seele definiert. Und die, so wird er feststellen, wohnt in eines jeden Menschen Brust, so man sie zu wecken und ihrem Rufe zu folgen bereit ist. Und er wird die Botschaft verinnerlichen, die ihm der Autor mitgibt auf den langen Weg zur Erkenntnis: Zu ruhen stattdessen: geborgen. Satt zu sein: nicht hungrig, niemals mehr hungrig, niemals mehr dürstend, suchend, fragend. Erfüllt zu sein: nicht zufrieden, nicht geläutert, nicht erlöst. Nicht ohne Erkenntnis jedoch, der letzten Erkenntnis. Nicht länger zu verweigern: zu Ende zu sein.

Vom Sterben
G. Moser und S. Batty
In allen Buchhandlungen und bei Amazon
ISBN 978-3-200-00607-2

PepperWeb: Design und Layout
Diese Seite wurde nach den Richtlinien des W3C für einen barrierefreien Zugang erstellt.
www.pepperweb.net bzw. info@pepperweb.net

éditions foulland, Mag. Gerhard Moser
Daxgasse 19, A 6020 Innsbruck
redaktion@foulland.com bzw. (+43 512) 29 34 38
„ein freier Raum für unfreie Menschen”