
[…] erinnert wird dabei an Richard Berger, den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, wohnhaft in der Anichstraße 13, der [Schlagen Sie das nach!],
an Richard Graubart, wohnhaft Gänsbacherstraße 5, welcher [Schlagen Sie das nach!],
an Wilhelm Bauer […]
– Unsichtbares Innsbruck: Die jiddische Versprengung
Zeitgeschichte muß nicht das sein, was man gewöhnlich unter Aneinanderreihung von Geschehnissen versteht, tradiert und verarbeitet – und – der Historikerstreit bewies es hinlänglich – gesinnungsethisch verfälscht. Die Geschichte einer Zeit – so darf man hier interpretieren – schreibt sich selbstredend auch autonom, nicht gebieterisch, nicht von außen gelenkt, beeinflußt und manipulatorisch in Kategorien gestampft, sondern sich in biederer Geisteshaltung manifestierend.
In diesem Sinne Zeit und Geschichte zu erfahren, sie reflektorisch in sich reifen zu lassen, um sie zu verstehen, hat der Autor das „unsichtbare” Innsbruck in glücklicher literarischer Überhöhung sichtbar werden lassen. Dem Leser, und hier sind jene angesprochen, die keine nackte Buchstabeninformation suchen, öffnen sich Schranken, die er hier oder dort nie vermutet hätte und die ihm Ein- und Ausblicke gewähren, deren morbide Schönheit (jüdischer Friedhof) oder dessen Synonymität für Glattfassadigkeit (ehemaliger, jetzt wohnbebauter Landeshauptschießstand) zum Nachdenken darüber anregt, ob sich nicht doch Innen- und Außenwelt des Dargestellten voneinander unterscheiden und Einflüsse dort unsichtbar bleiben, wo sie schlicht und einfach verdrängt werden.
So gesehen weist Unsichtbares Innsbruck ein Janusgesicht auf – unverschuldet, doch Zeitläufte nolens volens entlarvend. Der Leser wird es Moser danken wollen, denn eines steht fest: daß Rationalität nicht Emotionalität ersetzen darf dort, wo Menschen lebten, leben und leben werden. Und so führt der Autor durch eben jene Gefühlswelt, die sich dem Betrachter erst dann zu erschließen vermag, wenn er sich von der Idee befreit, daß alles, was er erblickt, die Wahrheit der Außenwelt und ihr Innerstes unerschließbar sei. Dem ist gewiß nicht so, und wer Augen hat, der lese und erlebe in diesem Buch die Bilder der Innenwelt und werde sehend, damit er hernach Außenwelten als das entziffert, was sie sind: als pure Nacktheit von Fassaden, ungeschriebene Ists, unzitierbare Seins. Zur Ansicht und zitierbar werden sie erst, wenn sich ihre Geschichte erschließt. Dabei behilflich zu sein war Anliegen Gerhard Mosers. Es ist ihm wahrhaft gelungen!
Ursprünglich veröffentlicht auf www.buchmarkt.org
Unsichtbares Innsbruck
Staudacher/Moser/Staudacher
In allen Buchhandlungen und bei Amazon
ISBN 3-200-00404-5
PepperWeb: Design und Layout
Diese Seite wurde nach den Richtlinien des W3C für einen barrierefreien Zugang erstellt.
www.pepperweb.net bzw. info@pepperweb.net
éditions foulland, Mag. Gerhard Moser
Daxgasse 19, A 6020 Innsbruck
redaktion@foulland.com bzw. (+43 512) 29 34 38
„ein freier Raum für unfreie Menschen”