
leer gefegt zu Tode geritten Spätzchen Viehhirt
Bulle oder Hengst?
Jedenfalls auf den Knien.
– M. Foulland, Rodeo
Hardcore – das trifft die Sache gut. Monsieur Foulland führt den werten Leser, die werte Hörerin mit diesem Machwerk tief in den Kaninchenbau hinab. Die Kombination aus Geschriebenem, Musik und Videoclip lässt einen verstört zurück. This is hardcore, baby!
What the hell? Als Germanist sucht man nach der Textaussage, die sich aber nicht einfach erschließt. Am ehesten noch bei den ins Deutsche übersetzten Lyrics der Innsbrucker Slowcoreband BUG. Die politischen Statements sind hier glasklar formuliert und auch eine gewisse „lonely cowboy attitude” kommt einem vertraut vor. Was als Text noch recht unspektakulär daherkommt, entfaltet sich jedoch in der langsam von hinten wie durch einen Traktor angeschobenen Musik von BUG zu voller Pracht. Der Traktor BUG sitzt auf schwerem Metall auf, hier wird herausgeschrieen, was herausgeschrieen gehört. Die schwer dahinschleppenden Gitarren setzen sich in Mark und Bein fest.
Die Texte von M. Foulland muten dagegen kryptisch an. Die unmittelbare Wiederaufnahme einiger Wörter aus den Songtexten lässt nicht den Schluss zu, dass hier über das gleiche philosophiert wird. Mitnichten. Einzelne Fragmente der Lyrics werden aufgegriffen, aber in einen völlig neuen Kontext gestellt. Zerstörung, psychische Abhängigkeit, Krankheit, Machtmissbrauch. Wer M. Foulland kennt, weiß, dass es ums Eingemachte, um die menschlichen Abgründe geht. Einen Blick in die Videos „de anima I–V” bestätigen dieses Bild. In schwarzweiß gehalten und in einem leeren Zimmer stehend, sitzend, kniend, verleiht M. Foulland seinen Texten eine zusätzliche surreale Ebene.
Herr Edmund Reitter (1845-1920) liefert die Bebilderung des überdimensionalen Bocklets mit seinen Käfern aus dem deutschen Reich. Die deutschen Käfer passen gut ins morbide Ambiente. Dieses Machtwerk, erbrochen auf die Käferstudien in einer einzigen Nacht, lässt einen nicht mehr so schnell los. Den Liebesroman, wenn man es nicht schon vorher getan hat, kann man getrost für ein paar Tage auf die Seite legen. Die Skizzen des Aufbegehrens und Scheiterns berühren Welten, die man sich wünscht, nie zu betreten, denen man sich jedoch unweigerlich stellen muss. Früher oder später. Das Grauen steckt eben tief im Unbewussten.
BUG/HARDCORE: Skizzen vom Aufbegehren …
M. Foulland et al.
In allen Buchhandlungen und bei Amazon
ISBN 978-3-200-00685-0
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